Georg von Neumayer

Wissenschaftler

Neumayer im Jahr 1905 mit wehendem weißen Haar

* 21.6. 1826 in Kirchheimbolanden
24.5.1909 in Neustadt/Weinstraße

„Auf zum Südpol!“ Welches Kind wünscht sich nicht, als Forscher die Welt zu erkunden, zum Beispiel die Eiswüste der Antarktis? Auch der kleine Georg Neumayer hatte vor hundertfünfzig Jahren diesen Traum und verwirklichte ihn unter anderem mit Reisen nach Südamerika und Australien. Tatsächlich wird Neumayer, der im Jahr 1900 vom Kaiser geadelt, also zu „von Neumayer“ wurde, aber vor allem als Wissenschafts-Organisator erinnert. Denn er hat Wissenschafts-Disziplinen in Projekten zusammengeführt und wichtige Forschungseinrichtungen geschaffen. Nicht umsonst heißt heute der deutsche Antarktis-Stützpunkt auf dem Ekström Schelfeis „Georg-von-Neumayer-Station“.

Bereits während seines Studiums in München (Geophysik und Hydrographie) arbeitete Neumayer auch am physikalischen Institut und der Sternwarte. Er bewarb sich 1848 um Aufnahme in den deutschen Flottendienst, wurde aber abgelehnt. Stattdessen reiste er mit einem Handelsschiff nach Südamerika und erhielt 1850 ein Steuermannspatent. Zwei Jahre später heuerte er auf einem Schiff Richtung Australien an, wo er Gold schürfte, nach einer Bergbesteigung für Wochen als vermisst galt und erdmagnetische Messungen vornahm. Hier kam ihm die Idee, in Melbourne ein geographisch-astronomisches Observatorium zu gründen, um die magnetischen Verhältnisse am Südpol zu erforschen. Dafür besorgte Neumayer – zurück in Europa – unterstützt von Gelehrten wie Alexander von Humboldt und Michael Faraday beim bayrischen König die erforderlichen Mittel.

 

Seine Erkenntnisse als Direktor des neuen Flagstaff-Observatoriums schilderte Neumayer auf dem ersten deutschen Geographentag 1865 und warb in Frankfurt für zwei große Projekte: Die Gründung einer deutschen Forschungsgemeinschaft für Hydrographie und maritime Meteorologie sowie für eine deutsche Antarktis-Expedition. Für sein zweites Projekt fand Neumayer damals noch keine Mehrheit. Die Norddeutsche Seewarte hingegen wurde drei Jahre später gegründet.

Neumayer hatte verstanden, dass man für große Wissenschaftsprojekte potente Geldgeber finden muss. Also führte sein Weg nach Berlin. Bei einem Vortrag wurde der Chef der Admiralität General von Stosch auf ihn aufmerksam und holte Neumayer am 1. Juli 1872 ins hydrographische Bureau der Kaiserlichen Admiralität am Leipziger Platz 13.  

Mit der Gründung des deutschen Reiches hatten sich die Bedingungen für Neumayers Ideen entscheidend verbessert. Neben magnetischen Vermessungen der deutschen Küsten betreute er in der Admiralität den Aufbau des “Kaiserlichen erdmagnetischen Observatoriums“ in Wilhelmshaven. Seinem Ziel einer Südpolar-Expedition kam er durch die von der Admiralität geförderte Weltumseglungs-Reise der Korvette „Gazelle“ 1874-1876 näher.

Georg-von-Neumayer-Station in der Antarktis

Am 1. Februar 1875 wurde die frühere Norddeutsche Seewarte als Deutsche Seewarte in Hamburg zum Reichsinstitut. Georg Neumayer übernahm die Leitung und wurde 1876 zum Direktor – eine Aufgabe, die er fast drei Jahrzehnte lang mit Ideenreichtum und Durchsetzungskraft ausfüllte. Mit und mit erweiterte Neumayer die Aufgaben der Seewarte, organisierte einen Sturm-Warnungsdienst und eine 10-Tage-Wettervorschau. Die Nutzung wissenschaftlicher Erkenntnisse für die Seefahrt wurde das Markenzeichen der Seewarte. Ab 1882 veröffentlichte sie Segelhandbücher für die großen Weltmeere, Küstenbeschreibungen und einen Atlas des Erdmagnetismus, Neumayers Spezialgebiet.

Als Direktor der Seewarte konnte er sein zweites Projekt vorantreiben, die Erforschung der Antarktis. 1879 gründete sich die „Internationale Polar-Kommission“ in den Räumen der Seewarte, Neumayer übernahm den Vorsitz. 1895 gelangte er ans Ziel: Auf dem Geographentag in Bremen wurde eine deutsche Südpolar-Expedition beschlossen, hierfür übernahm Neumayer den Kommissionsvorsitz. In seinem 1901 erschienenen Buch „Auf zum Südpol“ führte von Neumayer alle Erkenntnisse und Vorträge zum Thema zusammen. Im gleichen Jahr verließ das eigens gebaute Forschungsschiff „Gauß“ den Kieler Hafen in Richtung Antarktis.

In Hamburg unterrichtete derweil Georg von Neumayer einen jungen Norweger in geomagnetischer Messtechnik. Neumayer, schon 75 Jahre alt, pflegte ein herzliches Verhältnis zu seinem 46 Jahre jüngeren Gast. Zehn Jahre später sollte Roald Amundsen als erster Mensch den geografischen Südpol erreichen. Aber auch Georg von Neumayer war längst zu einer international anerkannten wissenschaftlichen Autorität geworden, als er 1903 nach Ende der Südpolfahrt der „Gauß“ in den Ruhestand ging.

Briefmarke zur Polarforschung mit der Neumayer-Station

Den verlebte er in Neustadt an der Weinstraße, wo er sich neben erdmagnetischen Vermessungen der Rheinpfalz vor allem um die von ihm gegründete Stiftung kümmerte. Sie bewahrt von Neumayers Erbe und setzt sich für Naturforschung, Naturschutz und Umweltbildung ein. Seine naturwissenschaftliche Bibliothek mit mehr als 7.000 Bänden pflegt die Pfälzische Landesbibliothek in Speyer. Georg von Neumayers damalige Rückkehr in die Pfalz dürfte eine kleine Personengruppe besonders freuen: Die Besatzung der Antarktisstation. Die Präsidenten der Struktur- und Genehmigungsdirektion Süd in Neustadt führen eine Idee aus dem Jahr 1984 fort und schicken in jedem Herbst ein großes Paket Pfälzer Wein auf die 14.000 Kilometer lange Reise. So sorgen sie am kürzesten Tag des Jahres für eine fröhliche Midwinter-Feier am Südpol.